17. Tag: Mosjøen - Steinkjer

Als wir aus unserer kleinen Luxuswohnung treten, begrüßt uns Sonnenschein und 22°C. Wir grinsen. Es hat um 20°C mehr als vor wenigen Tagen! Nachdem wir einen schnellen Kaffee geschlürft und die Hütte aufgewischt haben, kurven wir um 9:45 über den kleinen Schotterweg vom Campingplatz. Die schweigsamen Kieler sind schon lange weg - offensichtlich Frühaufsteher! 

Bevor wir uns auf die Reise machen, lenken wir die Transalps noch schnell zu Mosjøens berühmter Sjøgata. 2017 haben wir die historischen Häuser nur bei strömendem Regen gesehen aber heute wollen wir ein hübsches Foto der bunten Holzhütten machen. Wir halten auf demselben Parkplatz wir damals. 

Während Angelika schnell ein paar Fotos knipst, werden wir von ein paar Männern in Arbeitskluft mißtrauisch beäugt, die vor einem winzigen Café sitzen. Wir äugen zurück. Während seinen Kumpels das Frühstücksbier schmeckt, lässt einer die 170 PS seiner Honda aufheulen und schlingert engagiert hin und her. Wir geben das uninteressierte Publikum für diesen Stunt. Tut dieser Lärm Not in aller Herrgottsfrüh?

Etwas später cruisen wir die E6 entlang, die hier die Vefsna entlang führt. Mal fließt der Strom träge dahin, mal sprudelt er wild über Stromschnellen und ab und zu donnert er über einen künstlich angelegten Wasserfall. Wir sehen ein kleines Kraftwerk, das Wasser zu Strom verwandelt. Das Tal ist von sanften Hügeln eingerahmt. Wir fahren durch niedrige Wälder und über weite Weidegründe. Die Gegend erinnert uns ans Mühlviertel zuhause! Nach etwa 40 km sind wir in Trofors, unserem ersten Ziel.

Schon bei der Reiseplanung freuten wir uns darauf, an diesem 7. Juni bei Trixie zu frühstücken! Vor zwei Jahren haben wir uns vor Kälte und Regen in dieses nette Diner geflüchtet und der Apfelkuchen ist uns in bester Erinnerung! Trixie öffnet um 11:00 und wir müssen nicht lange warten. Kurz später sitzen wir bei einem großen Stück lauwarmer "Eplekake" auf der winzigen Terrasse im Sonnenschein und genießen, hier zu sein!

Wir checken noch einmal unsere Nachrichten. Das Straßenrandtreffen mit Herbert und Eta wird nix. Die beiden sind schon auf dem Rv17 nordgehend unterwegs. Wir wünschen ihnen alles Gute und viel Wetterglück bei ihrem Versuch, das Nordkapp zu erreichen! (Wir werden nach der Reise erfahren, dass sie es acht Tage später auch geschafft haben!) 

Nach der letzten Tasse Kaffee machen wir uns auf den Weg. Die nächsten 20 km sind mühsam! Eine Großbaustelle jagt die nächste! Wir müssen unendlich oft anhalten und auf das Ampelgrün warten und oft zuckeln wir hinter einem Schritttempo fahrenden Ledebil hinterher. Abends werden wir über Facebook empfehlen, diesen Streckenabschnitt zu umfahren.

Die nächsten 60 km sind unspektakulär. Wir lassen die Transalps mit den erlaubten 80 km/h dahinlaufen und hängen unseren Gedanken nach. Wir verstehen nicht, warum die E6 bei vielen Reiseberichten so schlecht wegkommt und ein "hochbrettern" auf dieser Straße nicht empfohlen wird.

"Hochbrettern" mit gemütlichen 80 km/h? Leute, ernsthaft? Tatsächlich schlängelt sich das Asphaltband in der Qualität einer österreichischen Bundesstraße kurvenreich durch den südlichen Fylke Nordland. Man fährt sehr entspannt hier!

Heute besuchen wir viele Plätze unserer aufregenden ersten Tour zum Nordkapp! So bremsen wir natürlich auch am Nordlandsporten. Das große schmucke Holztor, das sich über die Straße spannt und die Grenze zum hohen Norden markiert, ist noch da! Wir machen ein schnelles Foto und kurven links auf den Parkplatz, dessen Asphalt die letzten zwei Winter nicht dazugewonnen hat.

Wir nippen ein wenig sentimental an unserem Zaubertrank. Hier wird uns deutlich, dass die drei großen Höhepunkte der Reise, die Einsamkeit Finnlands, Nordkapp und Lofoten, bereits hinter uns liegen. Wir erinnern uns an die Härte, diese Ziele zu erreichen und das Wetterwunder an diesen einzelnen Tagen! Doch einige Reisetage liegen noch vor uns. Was die wohl bringen?

Doch bevor wir trübsinnig werden, bremst neben uns ein deutscher Reisebus und einige der Insassen eilen auf uns zu. Meine Güte, Polster & Pohl haben es auch hierher geschafft. Die Leipziger nehmen uns in Beschlag und wollen von unseren Erlebnissen erfahren, seit wir uns in Å i Lofoten das letzte Mal begegnet sind. Obwohl wir dem ostdeutschen Idiom nur rudimentär folgen können, geben wir höflich Auskunft. Zum Abschied wünschen sie uns noch alles Gute!

Glückwünsche können wir auch gebrauchen! Als wir weiterfahren, schielen wir auf den Himmel, der sich langsam zu verfinstern beginnt. Die Sonne hat die Grenze zum Fylke Trøndelag nicht geschafft. 

Die Straße wird nun kurviger und wir cruisen durch dichte Wälder. Als die Wolken immer bedrohlicher werden, halten wir in einer kleinen Ausweiche und diskutieren, ob wir nun das Regengewand anlegen sollen. Nur zur Vorsicht? Präventiv?

Didi überzeugt Angelika mit der Prognose, dass es bis zur nächsten Tankstelle nicht zu regnen anfängt und die ist ja gleich da vorne! Bereitwillig lässt sich Angelika auf diesen Deal ein. Regenklamotten sind sowieso lästig. Wir fahren weiter. Eine Kurve später bricht der Himmel entzwei!

Ein unfassbarer Regenguss geht auf uns nieder und wir stehen ungeschützt auf der Straße. Angelika springt von ihrem Motorrad und flüchtet schutzsuchend in den Wald, dessen schüttere Bäumchen die schweren Tropfen jedoch nicht auffangen können. Inzwischen zerrt Didi fluchend sein Regengewand aus dem Koffer.

Bis er Angelika aus dem Wald überreden kann und wir beide uns endlich ins Regenzeug winden, sind die Motorradklamotten triefend nass. Was für ein Mist! In diesem Moment braust Polster & Pohl klimaautomatisiert an uns vorbei und einige Leute winken aus den panoramaverglasten Wärmeschutzfenstern. Wir schauen ihnen ausdruckslos nach. Na dafür haben wir mehr Beinfreiheit!

Als wir mißmutig weiterfahren, sehen wir in der Ferne dichten Nebel. Auch das noch? Aber es ist nur Wasser, das auf der Straße in der warmen Sonne verdunstet! Regen war nämlich nur fünf Kilometer, jetzt scheint wieder die Sonne. Wir dampfen in unser luftdichtes Regenzeug und sind froh, als wir endlich die CircleK-Tankstelle in Namsskogan erreichen!

Während das Regenzeug in der Sonne innen und außen trocknet, wärmen wir uns mit Hotdogs, Gratiskakao und süßen Teilchen auf. Wir dehnen die Pause aus, so dass auch unsere Motorradsachen wieder etwas trockener werden. Ein netter norwegischer Jung-Biker erzählt uns von seiner ersten großen Tour durch seine Heimat. Ein netter Typ! 

Die nächsten 60 km verlaufen ereignislos. Dichte Wolken begleiten uns, als wir den Fluß Namsen entlang cruisen. Der lachsreichste Fluß Norwegens schlängelt sich mal eng und schmal, mal reissend und ziemlich breit neben uns dahin. Die Gegend ist geradezu langweilig hübsch. 

Sanfte Hügel an grünem Weideland im Dialog mit kleinen roten Häuschen. Wir sind heute 17 Tage unterwegs und wir sind ein wenig müde geworden. Wir lassen die Transalps einfach gleichmäßig dahinlaufen. Es ist gut, wie es ist. Bei Harran verfinstert sich der Himmel in Minutenschnelle.

Wir haben ein Déjà-vu zu eben vorhin in Namsskogan, aber diesmal riskieren wir nichts! Wir steppen ein paar Gänge herunter und bremsen abrupt bei einer Bushaltestelle. Jetzt aber schnell! Wir zerren das Regengewand aus dem Gepäck und beeilen uns. Wir haben auf dieser Reise schon viel Übung darin und nur Sekunden später stehen wir wie zwei Astronauten am Straßenrand, als der Himmel seine Schleusen öffnet.

Du meine Güte, was für ein Unwetter! Wir schwanken zwischen Mißmut und Resignation, als wir bis Grong weiterfahren. Hier wohnten wir 2017 für eine Nacht und wir haben so schöne Erinnerungen daran! Heute sauft das Dorf im Regen ab, als wir langsam vorbeifahren. Nein, hier machen wir keine Pause! Ausserdem ist es kalt geworden. Das Thermometer zeigt schwache 11°C.

Vorsichtig überqueren wir die zwei Flüsse, die hier zusammenfließen. Wir können die E6 kaum erkennen! Nach dem Ortsende steigt die Straße leicht an und es sind wahre Sturzbäche, die da heruntergeschossen kommen. Nein, das ist nicht mehr lustig! In die Visiere regnet es längst hinein und wir schlingern hart am Wind.

Wir reffen die Segel, schließen die Luken und Bullaugen und lenzen 15 km vor Topp und Takel. Wenn das so weitergeht, schreibt die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung in Hamburg unseren Reisebericht fertig! Als im düsteren Nichts des Sturmregens plötzlich an Steuerbord ein ansehnliches Restaurant auftaucht, drehen wir bei. Abwettern!

Nachdem die Transalps nachlässig vertäut sind, eilen wir ins Lokal. Wir hinterlassen veritable Pfützen, als wir uns gleich beim Eingang einen Tisch suchen und uns aus dem nassen Zeugs schälen. Wir haben kaum Hunger, aber wir müssen unbedingt mal ins Warme und Trockene. Mal schauen, was die hier anbieten!

Das nette Mädchen hinter der Schank deutet fragend auf die heutige daglig suppe. Gut, das nehmen wir! Mit dem Tagesgericht macht man selten etwas falsch, wenn man in Frankreich nicht gerade "blutige Pilze" oder "Chitterlings" erwischt ... Wir sind neugierig, was wir hier bekommen!

Was für eine Freude, als man uns eine tiefe Schüssel mit dick-cremiger Tomatensuppe hinstellt, in der auch noch ein gekochtes Ei untertaucht. Lecker, und genau das Richtige jetzt! Ungewöhnlich aber nicht minder lecker ist die Beilage: eine große Palatschinke und obenauf liegen einige Würfel gebratener Speck. Wir sind unsicher, wie man das nun dazu isst, also schneiden wir alles in kleine Stücke und machen Suppeneinlage daraus.

Nie hat eine einfache Suppe besser geschmeckt! Brot und Tafelwasser und Kaffee sind gratis, egal wieviel man nimmt. Bei einige Tassen Kaffee verlängern wir die Pause, bis es draußen nur mehr nieselt. Als wir keine Ausrede zum Bleiben mehr haben, packen wir uns wieder dick ein, winden uns ins Regenzeug und weiter gehts.

Wir haben eigentlich schon genug für heute. So lassen wir die beiden Transalps gemächlich dahinlaufen und hängen unseren Gedanken nach. Ab und zu nieselt es und vom fast 40 km langen Snåsa-See sehen wir nur kurze Abschnitte, so tief hängen die Wolken.

Um Punkt 18:00 checken wir in die geräumige Hütte am südlichen Ende des Sees ein. Mittlerweile ist das Abendprogramm auch auf einfachsten Campingplätzen Routine und schon kurz später baumeln unsere Klamotten zum Trocknen auf der Leine, die wir hoch oben quer durch die Hütte gespannt haben.

Nach dem letzten Löffel Travellunch machen wir im kalten Niesel noch eine kurze Platzrunde. Wir sind ziemlich müde geworden. Das letzte, was wir heute hören, ist der Regen, der unablässig aufs Dach trommelt ...

Tageskilometer: 260 km

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Ein unspektakulärer Reisetag mit kleinen Freuden...

Transalp in Seenot

Svenja 29.09.2019
< Na dafür haben wir mehr Beinfreiheit!

*lach* Der Spruch der Woche. Den merk ich mir. *gnihihihi*

< Wenn das so weitergeht, schreibt die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung in Hamburg unseren Reisebericht fertig!

Siehst du, das mein ich mit Schlechtwetterallergie. Ab und zu braucht man Sonnenschein, schönes Wetter, milde Wärme, das volle Programm. Aber natürlich hast du letztlich Recht: Irgendwann fährt man doch wieder nach Norwegen. Spätestens wenn der Regen vergessen ist.

< "Blutige Pilze" *lach* Das hast du dir gemerkt? Meine Güte, welch ein Tag das war. Aber euer Tagesgericht sieht ok aus. Bis auf die Schale mit Ketchup? Tomatensuppe gehört zu den Gerichten, die ich nie begriffen hab. Claudia liebt die auch und ich sag dann immer nix dazu, aber überzeugen tut mich das nicht.

Aber bei dem Wetter schmeckt eben jedes warme Essen, das einem hingestellt wird. Oh ja, das verstehe ich gut :-)

Und zum Tagesabschluss der Klassiker: Die Platzrunde. Das ist so wunderbar, noch einmal durchs Camp zu wandern und dann in die Heia zu gehen.

Gute Nacht, ihr Lieben.
Drück euch.
Svenja

Antw.:Transalp in Seenot

Geli 02.10.2019
Oh ich hab mich damit abgefunden, dass wir trotz mistiger Mistwettererfahrung sicher wieder mal nach Norwegen fahren. Aber nicht jetzt gleich wieder. Aber irgendwann, sicher.

Jetzt wirds wohl mal eine Reise, bei der man nicht jeden Morgen angstvoll mit noch geschlossenen Augen lauscht, ob es wieder/noch regnet. Ein bissl mehr Schönwettersicherheit ist jetzt mal wichtig.

Ja glaubst du, ich kann Essenstraumata vergessen?! Blutige Pilze waren deine Chitterlinge. Mit dem klitzkleinen Unterschied, ich hab das Zeug mit spitzem Zeigefinger zurückgeschickt. Du hasts gegessen. :-)))

Tomatensuppe? Das is was, was ich garantiert nie in einem Restaurant bestellen würde, aber in dieser Situation war es die delikateste Spezialität, die man uns hätte kredenzen können. ;-) Das gilt aber wahrscheinlich für jedes Essen, das warm und flüssig ist. :-D

Geli

Baustellen

Wibi 17.09.2019
Moin, Moin, jo, das leid mit den Baustellen hatten wir auch. War in der prallen Sonne auch eher semispannend... Da habt ihr doch noch wieder eine ordentliche Dusche bekommen. Hoffe, dass es die letzte outdoor Dusche auf dieser Tour war. Duscht doch lieber schön heiß aufm Camping!!! Trockenen Gruß Wibi

Antw.:Baustellen

Angelika + Didi 18.09.2019
Das war erinnerlich der schlimmste Regen der gesamten Tour! Dauerte nicht lang, aber das hatte es in sich...
An diesem Tag haben wir so lange heiß geduscht, bis alle Münzen alle waren. :-)
Ob es dann dauerhaft schöner wurde? Na mal sehen...
LG
Angelika + Didi

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